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„Bist du verrückt geworden?“ Warum ich mich für eine Hausgeburt entschieden habe

„Bist du verrückt geworden?“


Das war die erste Reaktion meines Mannes, als ich ihm erzählt habe, dass ich eine Hausgeburt machen möchte.


Fairerweise muss man sagen… meine erste Geburt war jetzt nicht gerade die beste Werbung für Geburten allgemein - und schon gar nicht für eine zuhause.


Sie dauerte 36 Stunden und endete fast in einem Notkaiserschnitt. Ich hatte eine PDA, und ich glaube wirklich, dass das mit ein Grund war, warum alles so ewig gedauert hat. Aber auch einfach, weil sich nichts geöffnet hat. Es war nur Schmerzen ohne Fortschritt. Mein Körper war einfach so: nope, dieses Baby kommt heute nicht raus.


Nach 36 Stunden mussten die Hebammen das Baby dann buchstäblich mit einer Saugglocke aus mir herausziehen.


Also ja… dass mein Mann sich genau dieses Szenario zuhause vorgestellt hat, fand er jetzt nicht sooo attraktiv.


Aber ich war überzeugt davon, dass vieles bei der ersten Geburt hätte anders laufen können, wenn ich nicht so gestresst, verängstigt, angespannt und komplett blockiert gewesen wäre.


Und auf diese Erkenntnis bin ich nicht alleine gekommen. Dabei geholfen hat mir ein wirklich tolles Buch… ein Buch über Hypnobirthing.


Auf Hypnobirthing bin ich komplett zufällig gestoßen. Ich habe einen Newsletter geöffnet (ja, manchmal mache ich verrückte Dinge wie tatsächlich Newsletter lesen haha) und dort war ein kleiner Beitrag über Hypnobirthing mit einer Buchempfehlung. Ich fand das interessant und habe es direkt bestellt.


Schon in Kapitel 2 hatte ich plötzlich die Erkenntnis: DAS ist die Art von Geburt, die ich will.


Was ehrlich gesagt völlig absurd war, weil ich es nicht mal schaffe, mich in einer Badewanne voller Schaum und Kerzen wirklich zu entspannen. In meinem Kopf herrscht dauerhaft Chaos mit ungefähr 20.000 Gedanken gleichzeitig. Aber ich dachte mir: okay, ich gebe dem Ganzen eine Chance.


Und in Kapitel 4 kam dann die nächste Erkenntnis: Ich wollte nicht nur ein Hypnobirth… ich wollte eins zuhause!


Ich bin also praktisch von „geplanter Kaiserschnitt klingt sinnvoll“ zu „voll hippie Hausgeburt“ gewechselt.


Aber ganz ehrlich: Meine größte Angst war einfach, nochmal dieselbe Erfahrung im Krankenhaus machen zu müssen.


Zu dem Zeitpunkt war ich schon im 6. Monat und dachte nur: Wo bitte finde ich jetzt noch eine Hebamme, die das begleitet?


Aber irgendwie haben sich die Himmel geöffnet, das Glück war komplett auf meiner Seite und die beste Hebamme der Welt hatte tatsächlich noch Kapazität.


Wir haben direkt einen Termin bei mir zuhause ausgemacht.


Und meinem Mann habe ich erst davon erzählt, als die Sache praktisch schon beschlossen war.


Als er entsprechend reagiert hat, meinte ich nur:


„Ich frage nicht nach deiner Meinung. Ich informiere dich darüber, dass es eine Hausgeburt wird.“


Der arme Mann hatte keine Wahl.


Die Vorsorge habe ich dann komplett mit meiner Hebamme zuhause gemacht. Die drei Ultraschalltermine habe ich noch bei meiner Frauenärztin gemacht und ihr danach per Mail mitgeteilt, dass ich ab jetzt nur noch mit meiner Hebamme weitermache. Ob sie das gut fand oder nicht… keine Ahnung. Per Mail erschien mir sicherer haha.


Zum Glück verlief die Schwangerschaft komplett unkompliziert und gesund.


Und was die Hypnose angeht… naja.


Während der Wehen bin ich definitiv NICHT in irgendeinen magischen Schwebezustand eingetreten, in dem man keinen Schmerz mehr spürt. Nicht mal ansatzweise.


Aber ich war deutlich entspannter.


Allein zuhause zu sein hat unglaublich geholfen. Und auch dieses Gefühl, nicht ständig die Wehen timen zu müssen, um irgendwann panisch ins Krankenhaus zu fahren.


Ich habe meiner Hebamme direkt Bescheid gegeben, als die Wehen angefangen haben - selbst als sie noch ganz gut auszuhalten waren. Und als es intensiver wurde, meinte ich einfach: „Okay, komm jetzt.“


Ich war im Schlafzimmer. Als sie ankam, saß ich schon auf dem Gymnastikball. Mein Mann war gerade dabei, unsere ältere Tochter zu einer Freundin zu bringen.


Die Hebamme kam ruhig rein, ganz leise, total entspannt. Sie hat meinen Bauch abgehört. Sonst nichts. Keine schmerzhaften Untersuchungen während man sowieso schon stirbt vor Schmerzen. Nichts davon.


Nur durchs Zuschauen, Zuhören und meinen Bauch anfassen wusste sie schon genau, wie weit ich war.


Dann wurden die Wehen richtig stark, die Fruchtblase platzte und plötzlich verstand ich auch, warum die Hebamme „Malerflies“ auf die Einkaufsliste geschrieben hatte.


Natürlich hatte ich das nicht gekauft, weil ich nur dachte:


„Hä??? Ich werde doch nicht AUF DIESEM DING gebären.“


Tja. Stellte sich heraus: Sie wusste ziemlich genau, wovon sie spricht. Mein kompletter Schlafzimmerteppich wurde nämlich von Fruchtwasser geflutet und musste anschließend den Geburtsgöttern geopfert werden.


Dann begann die Pressphase.


Und ich erspare euch hier die Details, aber sagen wir es mal so: Für mich waren das Schmerzen wie nichts anderes auf dieser Welt.


Naiverweise dachte ich, nach zwei oder drei Presswehen wäre das Baby einfach draußen. Jeder sagt doch immer:


„Das zweite Kind kommt leichter!“


Offenbar habe ich „leichter“ als „leicht“ interpretiert.


War es nicht.


Zumindest nicht für mich. Ich persönlich verbinde das Wort „leicht“ absolut gar nicht mit Geburt. Aber jede Frau ist anders, und ja - es gibt definitiv Frauen, die zweimal pressen und plötzlich ist das Baby einfach da wie durch Zauberhand.


Und dieses Hypnose-/Trance-/Kein-Schmerz-Ding?


Ja… ich habe nicht mal das Anfängerlevel erreicht haha.


Aber trotzdem war es SO viel besser als meine erste Krankenhausgeburt.


Und auch viel schneller. Von den allerersten leichten Wehen bis zur Geburt meiner Tochter hat alles insgesamt nur 10 Stunden gedauert.



Das Hypnobirthing-Buch, das ich gelesen habe, war das von der Mongan Method. Einen Kurs habe ich persönlich nicht gemacht, obwohl es inzwischen viele gibt - auch online.



Für mich war das Buch schon ein wirklich guter Anfang. Die Atemtechniken und all diese Dinge waren tatsächlich hilfreich. Aber ich glaube schon, dass ein Kurs zusätzlich auch geholfen hätte.


Und zum Thema Hausgeburt: Hypnobirthing ist natürlich nicht nur für Hausgeburten gedacht. Das funktioniert genauso im Krankenhaus. Aber ich finde schon, dass beides irgendwie sehr gut zusammenpasst.


Es gibt außerdem auch Geburtshäuser - also so eine Art Mittelweg zwischen Krankenhaus und Hausgeburt.


Und eine letzte Sache noch, weil es aktuell irgendwie einen Trend zu komplett unbegleiteten Hausgeburten ohne Hebamme gibt: DAS finde ich ehrlich gesagt wirklich verrückt.



Würde ich nochmal eine Hausgeburt machen?

Ja. Absolut.


Nicht weil es magisch oder schmerzfrei war oder weil ich plötzlich irgendeine friedliche Erdgöttin geworden bin, die komplett zenmäßig ihre Wehen wegatmet.


Sondern weil ich mich zum ersten Mal sicher gefühlt habe. Respektiert. Und weil ich das Gefühl hatte, dass mein Körper nicht permanent kontrolliert, gemanagt oder unter Druck gesetzt wird.


Und obwohl Geburt immer noch hart war -wirklich hart - hat es sich dieses Mal nach meiner eigenen Erfahrung angefühlt und nicht nach etwas, das einfach mit mir passiert.


Falls du also neugierig auf Hypnobirthing oder Hausgeburt bist, würde ich sagen: Lies darüber, informier dich, stell Fragen und hör auf dein Bauchgefühl 😉




Roberta

 
 
 

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